Name: Katrin Ihler
At elan since: 12/2017
Rolle(n): Teamlead DevOps, Software Entwicklerin

Was hat dich ursprünglich zum elan e.V. geführt?
Im Oktober 2017 habe ich meinen Master abgeschlossen und brauchte erst mal Geld. BAföG-Rückzahlung, Lebenshaltungskosten, das Übliche. Ich hatte mich an verschiedenen Stellen beworben, aber aus unterschiedlichen Gründen ist daraus nichts geworden. Mal wollten die mich nicht, mal wollte ich die nicht mehr nach dem Bewerbungsgespräch. Von jemandem, der beim elan gearbeitet hat, wusste ich von der Stelle und, dass die Arbeitsatmosphäre da ganz nett ist. Ich hatte dann mein Bewerbungsgespräch und schon am Nachmittag kam der Anruf, dass ich anfangen kann. Für mich war das anfangs ein Übergangsjob und ich hatte eigentlich nicht vor, länger hier zu bleiben. Inhaltlich hat mich das damals gar nicht so interessiert, und zu Open Source hatte ich noch keine große Meinung. Erst während der Arbeit beim elan habe ich angefangen, mich dafür zu begeistern. Die Lernkurve war damals sehr steil. Vieles von dem, was wir hier machen, lernt man nicht an der Uni.
Was motiviert dich seit fast 10 Jahren, beim elan e.V. zu arbeiten?
Am Anfang wusste ich zwar, was Opencast ist, weil ich schon Vorlesungsaufzeichnungen gesehen hatte, aber interessiert hat mich das nicht besonders. Je mehr ich mich dann damit beschäftigt habe, desto spannender fand ich es. Ich hatte immer mehr den Anspruch, das Projekt besser zu machen und die Kunden so zu betreuen, dass sie keine Probleme haben. Außerdem passt die Grundidee hinter Open Source gut zu meinen Werten. Und natürlich spielen auch die Arbeitsbedingungen eine Rolle. Am Anfang fand ich es herausfordernd, weil ich nicht wusste, ob ich die Leistung bringe, die erwartet wird – damals gab es noch weniger Feedback. Aber ab einem bestimmten Punkt, als ich mich sicherer gefühlt habe, wusste ich den Entscheidungsspielraum immer mehr zu schätzen. Inzwischen weiß ich, dass ich Dinge ausprobieren und entscheiden kann, wenn ich sie für richtig halte. Ich kann mich in einem gewissen Rahmen frei bewegen und Themen vorantreiben, die mir wichtig sind. Das mag ich, denn ich bin nicht unbedingt der geduldigste Mensch, der ewig mit anderen über Dinge diskutieren will.
Wie würdest du deine Rolle(n) beim elan e.V. beschreiben?
Offiziell bin ich Teamlead vom Opencast-DevOps Team. Teilweise agiere ich aber auch über Teamgrenzen hinaus. Dazu kommt meine Rolle in der Opencast-Community: Ich leite das Opencast-Sysadmin-Meeting, bin im Opencast-Board und Committer bei Opencast. Außerdem war ich Release Managerin für Opencast 17 (und 7 - später dann für 27? :D).
Was sind typische Tätigkeiten und/oder Interaktionen mit Kolleg:innen, die deinen Arbeitsalltag prägen?
Sehr viel Organisieren und Kommunizieren. Beim Organisieren auf Teamebene versuche ich immer mitzudenken, was wir noch optimieren und automatisieren können. Dazu kommen viele Meetings. Bei Gesprächen mit potentiellen Neukunden bin ich dabei, oder wenn Kolleg:innen bei einem Kundenmeeting Unterstützung brauchen. Wenn es zeitkritische Aufgaben gibt, die gerade niemand übernehmen kann, springe ich ein oder wenn meine Expertise gefragt ist. Zusammen mit Arne bin ich außerdem Projektverantwortliche für OSDN. Da fallen viele Orga-, Management- und Personalkapazitäts-Aufgaben an. Einige meiner Tätigkeiten gehen auch Richtung Infrastruktur, zum Beispiel Sachen rund um Redash, unser Open-Source-Tool für Datenauswertung. Dafür habe ich zum Beispiel ein Skript geschrieben, damit die Dashboards immer aktuell sind.
What unusual “superpower” do you bring to the team?
Ich bin glaube ich gut darin, die richtigen Leute für die richtigen Sachen zusammenzubringen – und dabei zu verhindern, dass mehrere Mitarbeiter:innen parallel versuchen, die gleichen Probleme zu lösen. Außerdem kann ich in stressigen Situationen Entscheidungen treffen und Prioritäten setzen.
Woran arbeitest du gerade, das dich besonders begeistert (– und weshalb ist es wichtig für den elan e.V. und/oder unsere Community)?
Am meisten begeistern mich die Dinge, die ich mit Caro zusammen mache, die alle so Richtung Automatisierung gehen. Also zum Beispiel Prozesse optimieren, automatische Alerts einrichten, zum Beispiel wenn ein Vertrag bald abläuft.
Was ist dein Lieblings-Meeting beim elan e.V.?
Unser internes Opencast-Meeting.
What is your personal recipe for recharging energy and creativity after intense work phases?
Mir hilft Kontakt zu Kolleg:innen, ohne dabei über Arbeit zu reden. Also dieser lockere Austausch zwischendurch, wenn man im Büro auch mal ein bisschen rumalbert. Und Natur finde ich auch gut und wenn es nur ein Spaziergang durch den Schlossgarten ist.
Which three things are essential in your daily routine?
Erstens: kleine Whiteboards, die man mit sich rumtragen kann. Damit kann ich einen Teil meines Arbeitsgedächtnisses auslagern. Gerade wenn ich über komplizierte Dinge nachdenke, ist das unglaublich hilfreich.
Zweitens: Caro und ich haben eine nachmittägliche Tee-Tradition eingeführt. Meistens startet die mit dem Stichwort „Tee?", wenn eine von uns nicht mehr ganz so produktiv ist. Im Moment gibt es Ostfriesentee oder Vanillekipferltee. Den hatte ich noch Zuhause und der muss mal weg. 😉
Drittens: mein Sanduhren-Set. Ich hab so ein Set mit kleinen bunten Sanduhren, die sehr viel Interesse auslösen bei allen Leuten, mit denen ich im Büro zusammensitze. Wenn ich gar keine Lust auf eine Aufgabe habe, schätze ich, wie schnell ich die erledigen kann, drehe die entsprechende Sanduhr um und versuche, in der Zeit fertig zu werden. Und der Vorteil von Sanduhren ist, dass die nicht ständig bimmeln, du machst also deine Bürokollegen nicht damit verrückt. Ich habe Sanduhren für 5, 10, 15, 30, 45 und 60 Minuten. Der Trick ist natürlich, dass ich nicht unterbrochen werde, wenn die Zeit abläuft und idealerweise bin ich dann „in the zone" und arbeite weiter, ohne zu merken, dass die Zeit längst um ist.
What are your favourite activities after work?
Ich gehe gerne wandern, aber das geht natürlich nicht jeden Feierabend, weil es sehr zeitintensiv ist. Einmal die Woche gehe ich zum Spanischkurs und einmal die Woche zum Kampfsport, eine Kung-Fu-Variation namens Ving Tsun. Ansonsten Zuhause eine schöne Serie schauen oder mit Freunden telefonieren und dabei den Haushalt machen. Das funktioniert erstaunlich gut zusammen.
What fascinates you personally about open source, and why do you think it’s so valuable for our work in digital teaching?
Für unsere Gesellschaft finde ich grundsätzlich wertvoll, dass wir nicht so viel Zeit damit verschwenden, miteinander zu konkurrieren und quasi die gleichen Produkte nebeneinander mehrfach zu entwickeln. Stattdessen stecken wir gemeinsam Energie in eine Sache, von der am Ende alle profitieren. Gerade in einem Bereich, in den viele öffentliche Gelder fließen, finde ich es wichtig und richtig, der Gesellschaft auch etwas zurückzugeben. Und es hat den Vorteil: Wenn ein Dienstleister aufgekauft wird oder pleitegeht, verschwindet die Software nicht einfach.
An Open Source zu arbeiten ist außerdem ein ganz anderes Arbeiten, viel kooperativer. Das ist manchmal auch anstrengend, wenn es darum geht, den gemeinsamen Weg zu bestimmen. Und manchmal ist es schwierig, Kunden, die eine ganz bestimmte Lösung wollen, zu vermitteln, dass die Lösung auch für andere funktionieren muss. Denn alles, was entwickelt wird, sollte für das Projekt insgesamt Sinn ergeben. Das führt zu mehr Kommunikationsbedarf, aber es kann auch sehr befriedigend sein zu wissen, dass eine Lösung nicht nur der Person hilft, die gerade bezahlt, sondern dass sie überdauert.
Die Zusammenarbeit in der Opencast Community ist für mich sehr angenehm. Es gibt viel Hilfsbereitschaft, und wir können gut voneinander lernen.
Welche Bedeutung hat Open Source in deiner beruflichen Laufbahn für dich?
Eine große, denn abgesehen von ein paar HiWi-Jobs an der Uni besteht meine berufliche Laufbahn quasi nur aus meinem Job beim elan. 😉 Wenn ich von Freunden höre, die in klassischen Software-Engineering-Berufen arbeiten, schätze ich die Arbeit beim elan und in der Open-Source-Community sehr. Denn klassischerweise ist es oft viel hierarchischer, und Mitarbeiter:innen haben viel weniger Spielraum, selbst mit zu gestalten und zu entscheiden.
Es ist auch schön, wenn die eigene Arbeit öffentlich ist und vielleicht sogar später mal praktisch. Die Entwicklungsdinge, die ich an Opencast gemacht habe, die Pull Requests, die sind öffentlich. Wenn jemand wissen will, ob ich eine passable Programmiererin bin, kann diese Person das einfach nachschauen. Außerdem gefällt mir, dass ich mit Kunden auf Augenhöhe offen und ehrlich zusammenarbeiten kann, ohne die ganze Zeit im Verkaufsmodus sein zu müssen.
If you had one “open source wish” – what would you implement immediately?
Mehr Zeit. Mehr Zeit für Opencast-Entwicklung. Wenn mich jetzt jemand ein Jahr lang irgendwo hinsetzen würde und sagen würde: „Mach, was du willst, aber mach Opencast besser" – das wäre schon ziemlich geil.
Coffee or tea? Tee
Favourite emoji? 🙃
Describe your work style in three words: Kontrolliertes Chaos, ein drittes Wort habe ich nicht 😀
Prefer diving into code or brainstorming in a team workshop? Diving into code!
Which motto (or quote) motivates you daily? Besser um Verzeihung bitten, als um Erlaubnis fragen.
